Es fehlt an Dankbarkeit bei den Ostdeutschen, die ihre Bockigkeit oft als Waffe nutzten, obwohl ihnen heute modernste Stromautobahnen zur Verfügung stehen. |
Die Zweifel, der Widerwille, die Ablehnung - mehr als 30 Jahre nachdem der demokratische Westen Deutschlands dem unter einer Sowjetdiktatur leidenden Ostteil des Landes die historisch einmalige Chance eingeräumt hat, sich entschieden auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen, mangelt es zwischen Suhl und Mukran weiterhin und bei einer wachsenden Bevölkerungsgruppe an Dankbarkeit den Retterinnen und Rettern gegenüber. Statt zu würdigen, was ihnen so großzügig geschenkt worden ist, belieben die Ostdeutschen gnatzig zu trotzen und zu bocken: Sie wählen, was sie nicht sollen. Sie ignorieren, "mit welchen Summen der Westen den Wiederaufbau des maroden Landes finanziert hat" (Augsburger Allgemeine).
Vielleicht sollte nun endlich die Zeit vorbei sein, in der Bitten um Einsicht geholfen haben, meint PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl.
Svenja Prantl ist traurig. |
Sie sind kleinliche, aus dem Schoß des Kommunismus gefallene Kleinbürger*innen, denen jedes Verständnis dafür abgeht, wie dankbar sie sein müssten für die Gnade, die ihnen eine freundliches Schicksal erwiesen hat. 1,6 Billionen Euro hat der Westen für die Deutsche Einheit nach einer Schätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bezahlt. Es ist eine Zahl mit 12 Nullen, die für umgerechnet 100.000 Euro pro Kopf jedes DDR-Bürgers oder aber 6.200 Euro pro zugekauften Quadratmeter DDR-Staatsgebiet voller kaputter ostdeutscher Straßen und Schienen, verfallener Fabriken, verseuchter Flüsse, das Treuhand-Defizit und die Auslandsschulden der DDR, die kaputte sozialistische Rentenkasse und die nicht vorhandene Arbeitslosenversicherung steht.
Wie der Hund, der über seine bübsche Halskette jammert, statt sich über das regelmäßig gelieferte Futter zu freuen, leugnen die Ostdeutschen bis heute, wie bequem ihr Weg in die Freiheit dank der reichen Onkels und Tanten aus Bonn gewesen ist. Die große Transformation, die in den meist menschenleeren Gebieten von Brandenburg, Mecklenburg und Sachsen heute beinahe vollendet ist, sie verdanke sich ihren eigenen Anstrengungen, tönen die Ossis gern. Arbeitslos seien sie geworden, ihre Ideale hätten sie aufgeben müssen, ihren Glauben an die Wissenschaftlichkeit der Weltanschauung und die Lehren von Marx, Engels und Lenin. Dazu habe der wohlhabende Sponsor, der ihnen den Weg in Demokratie und Kapitalismus materiell leichter machte als ihn die Glaubensbrüder in Polen, Ungarn und der Tschechei zu gehen hatte, ihnen Vorgesetzte vor die Nase gesetzt, denen um den Preis der eigenen Würde zu gehorchen war.
Ja, der reiche Onkel wie auch die reichen Tanten hätten ein großes Dankeschön verdient. Doch der gnatzigen Verwandtschaft aus der abgeschafften DDR kommt es nicht über die Lippen. Stattdessen verharren die Menschen hier in einer Sehnsucht nach dem untergegangenen Sozialismus, sie pflegen ihre Erinnerungen wie kostbare Teile einer einzigartigen Sammlung an Ostalgie-Preziosen und leugnen, dass Helmut Kohls Versprechen, niemandem werde es schlechter gehen, vielen aber besser, längst eingelöst worden ist.
Rachsucht, Häme und Verbitterung prägen das Wesen des Ostdeutschen. Er liest Bücher, in denen seine Kränkungen aufgeblättert werden. Er fällt zurück in die Erinnerungsmuster des "Es war nicht alles schlecht". Er buhlt sogar nicht mal mehr darum, am Katzentisch der Parlamente, der TV-Gerichte und leitmedialen Magazine zugewiesen zu bekommen. Nein, er verweigert sich und stellt sein Leiden in der Vorzeit der Einheit als Vorteil heraus. In der Mitte des Jahres vorgelegten Studie zweier Ethnologen aus der alten Bundesrepublik, die vom ostdeutschen Leipzig aus seit Jahren versuchen, das Wesen des Ostdeutschen im Kern zu erfassen, sagten zwei Drittel der Befragten, sie seien froh, dass
sie die DDR noch erlebt hätten. Hartleibig beharren sie darauf, dass es von Vorteil sei, eine Diktatur bei der Arbeit zu erleben, weil es die Fähigkeit zur Mustererkennung schärft.
Im ersten Moment klingt das wahnwitzig, es ist aber zweifellos zumindest im Moment noch erlaubt. Einen Straftatbestand "Verherrlichung des SED-Regimes" gibt es nicht, der moderne Rechtsstaat setzt hier auf Einsicht und politische Bildung und auf das Nachwachsen einer Generation, die die DDR nur noch aus den Erzählungen von ARD- und ZDF-Dokus kennt. Wo bei denen, die noch eigene Erinnerungen haben, das Böse des Herrschaftssystems ausgeblendet wird, weil es einen Alltag jenseits von Stasi, Mangel, verweigerter Meinungs- und Reisefreiheit gab, wird diese Generation das untergegangene Land dann doch wohl endlich als Ort zu schätzen wissen, den zu betrachten hilft, vieles am Leben heute höher wertzuschätzen.
Die DDR, deren Bürgerinnen und Bürger ihren Retter*innen vielmals die Dankbarkeit verweigern, könnte dann doch noch eine nützliche gesellschaftliche Funktion übernehmen: Wie eine Kontrastfläche höbe sich vor dem organisierten Erinnern das Vergessen all dessen ab, was heute von radikalen Kräften an Zweifeln geschürt, an sinnloser Kritik herausgeblasen und an Forderungen Richtung der führenden demokratischen Institutionen anmaßend formuliert wird. Das provokativ herausgestellte Bekenntnis zu einer Diktatur, die man einst selbst gestürzt hat, ist bis dahin eine ärgerliche, aber eben doch nur eine Provokation, auf die die westdeutschen Eliten weiterhin mit Ruhe und Besonnenheit reagieren sollten. Wie der Rechtsradikalismus wird sich auch das auswachsen
3 Kommentare:
Im Titelfoto fehlen definitiv mehrere Windturbinenräder!
Gerne.
Dreißig Jahre nach der Wende verwandelt sich die BRD in die DDR und die Zonies können auch wieder nur rumnörgeln.
Tja,werte Frau Prantl,
die katastrophale Schul-und Bildungspolitik der letzten 30 Jahre zeigt Wirkung.
Ganz offensichtlich auch bei Ihnen
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