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| Hochangesehene Erben von Karl May: Das "Correctiv"-Kollektiv bediente sich erfolgreich der Methoden des Schwindlers aus Radebeul. |
Unversehens schwappte eine riesige Welle an Hass, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und selbstbewusst ausgestellter Exklusion durchs Land. Der Januar 2024 war alles andere als ein gewöhnlicher Monat. Er war nicht nur warm wie alle Januar seit Beginn der Klimakonferenzen. Er war heiß, heißer als alle Monate zuvor an die sich Menschen erinnern konnten.
Am 10. Januar, 150 Jahre nach dem Erdrutschsieg der liberalen Parteien bei der Reichstagswahl im Deutschen Kaiserreich, enthüllte das auch im Auftrag von Facebook mit dem erweiterten Meinungsfreiheitsschutz beschäftigte Spendenportal Correctiv den "rechtsextremen Geheimplan gegen Deutschland". Alle waren aus den Silvesterferien zurück. Alle waren entsetzt. Empört. Verstört.
Entsetzen über den Masterplan
Vor allem die in einem von einem Ausländer ausgetüftelten "Masterplan" vorgesehene Vertreibung Deutscher aus Deutschland empörte das Faktencheckerkollektiv aus Berlin. Hier sollten, hieß es in einem langen, mit unzähligen Details gespickten Report aus dem innersten Inneren der Verschwörung, Deutsche behandelt werden, als wären sie keine und als hätten sie keine bessere Behandlung verdient als irgendwelche dahergelaufenen Zuzügler. Remigration stehe auf dem Programm. Und das Hotel, in dem all das geplant worden sei, stehe fast in der Nähe des Wannsees!
Es war wie der Druck auf einen Feueralarmknopf. Deutschland hatte seinerzeit wenig drängende Sorgen. Die Ampel hing im Umfragetief fest, doch noch hatten alle drei beteiligten Parteien Hoffnung, dass ein gnädiges Schicksal einen Aufschwung hereinwehen werde.
Wachstum wie im Wirtschaftswunder
Doch "Wumms" wie "Doppelwumms" waren schon verpufft. Und das Bundesverfassungsgericht hatte der ersten Dreier-Koalition der bundesdeutschen Geschichte die illegalen Klimamilliarden weggenommen, mit denen die große Transformation hatte finanziert werden sollen. Robert Habeck strich die E-Auto-Förderung. Olaf Scholz versprach "Wachstum wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders", aber es lachte nicht einmal mehr jemand.
Der "Geheimplan gegen Deutschland" kam wie gerufen. Selbst dort, wo Deutschland normalerweise für ein "mieses Stück Scheiße" gehalten wird, brach umgehend Besorgnis aus. Ein Volk stand auf, ein Sturm brach los, wie ihn das Land noch nie erlebt hatte. Die "größten Demonstrationen der Geschichte" leiteten einen Aufstand des Gewissens ein. Das ganze Land ging in den Widerstand gegen die Teilnehmer der als "neue Wannseekonferenz" bezeichneten Zusammenkunft, die so dunkle Erinnerungen weckte. Wieder war ein Österreicher dabeigewesen. Wieder hatte das Land in Schockstarre zugeschaut, ohne etwas zu wissen.
Geheimplan gegen Deutschland
Doch nach der Correctiv-Veröffentlichung des "Geheimplans gegen Deutschland" gingen Millionen auf die Straße. Eine nationale Aufwallung, bei der sich Menschen gleichzeitig an vielen Orten versammelten, um ihre Meinung kundzutun, obwohl die Innenministerin genau davor mit Nachdruck gewarnt hatte. Diesmal war es nur gut so.
"Ganz Berlin hasst die AfD", "Rübe runter für rechts" und "Aufstand der Anständigsten" riefen sie. ARD und ZDF und RND und alle anderen waren da, um den Kipppunkt nicht zu verpassen: Erstmals seit der Kapitulation des Hitlerregimes nahm die Zahl der Nazis in Deutschland nicht mehr zu, sondern ab.
Ein Marsch auf Befehl
Das Volk selbst, dieser "große Lümmel" (Heinrich Heine), wehrte sich gegen die geplante Unterwanderung von Rechtsstaat, Demokratie und Gesellschaft. Jung und Alt marschierten gegen Abschottung, gegen Remigration und gegen die das Gefühl, es ist schon wieder so weit. Alle Mutmaßungen darüber, warum der an die Werke des berühmten "Spiegel"-Reporters Claas Relotius erinnernde Text solch eine enorme Wirkung hatte, erübrigten sich. Die Wirkung war "hilfreich", wie es die frühere Kanzlerin vielleicht ausgedrückt hätte. Und dem geschenkten Gaul schaut niemand ins Maul.
Als habe das offizielle Deutschland der Fraktions- und Redaktionsstuben nur auf eine Gelegenheit gewartet, nicht immerzu über Wirtschaftskrise, Energiekrise und Zukunftskrise reden zu müssen, sprang die Reaktionsmaschine binnen weniger Stunden an. Politiker zeigten sich entsetzt. Unternehmen und Wirtschaftsverbände nahmen öffentlich Stellung gegen Rechtsextremismus. Kommentatoren riefen mit Schaum vor dem Mund zu Hass und gemeinsamen Aufmärschen auf.
Schwierigkeiten mit der Wahrheit
Bei "Correctiv", einem Kollektiv aus dem staatlich finanzierten Gemeinsinngewerbe, dessen Umgang mit der Wahrheit historisch große Vorbilder hat, konnten sie ihr Glück kaum fassen. Es sei eine "überwältigende Situation" gewesen, hat Chefredakteur Justus von Daniels später geschrieben, als der "Geheimplan" schon zum Geschäftsmodell geworden war.
Bücher, Lesungen ein Theaterstück und wochenlang Zehntausende und Hunderttausende auf den Straßen, in hunderten kleinen und großen Städten. Die Feder, das zeigte sich, ist mächtiger als das Schwert. Remigration war plötzlich in aller Munde. Sie verwandelte ein ganzes Land in eine Protestbewegung gegen ein Wort, das Tage zuvor noch nie jemand gehört hatte. Ein ganzes Volk war im Widerstand. Deutschland hatte seine Spaltung überwunden. Endlich gab es wieder eine Einheitsfront aller gegen den Rest.
Nur ganz leise Zweifel
Es regten sich hier und da auch Zweifel. Die Geschichte von den "hochrangigen AfD-Politikern, Neonazis und finanzstarken Unternehmern", die im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammengekommen seien, um "nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland" zu planen, las sich wie eine literarische Fantasie. Statt Fakten gab es belanglose Details. Statt hochrangiger AfD-Politikern und finanzstarker Unternehmer war von Hinterbänkler und Mittelständlern zu lesen.
Natürlich reicht das in einem Land, in dem der greise Herrscher des Fürstenhauses Reuß als Staatsfeind Nummer 1 gilt, um ordentlich Furore zu machen. Die Politik verkündete umgehend härtere Maßnahmen. Mehr Überwachung. Ein neues Maßnahmenpaket gegen Rechtsextremismus. Eine Aussetzung der vom Europarecht garantierten Freizügigkeit für unmittelbar Beteiligte. Eine Umbenennung des städtischen Rostocker Remigrationsressorts. Und die Auszeichnung als "Journalist*innen des Jahres" für die an der gefährlichen Recherche beteiligten unerschrockenen Reporter.
Preise für die Preisgabe der Wahrhaftigkeit
Von diesen vielen, vielen großen und kleinen Triumphmomenten hat es etwas mehr als zwei Jahre gedauert, bis der Rechtsstaat allen, "die an die Kraft von Wahrheit glauben" (Justus von Daniels), beweisen konnte, dass die "Geheimplan"-Recherche des "gemeinwohlorientierten Medienhauses" (Correctiv) nichts anderes war als ein Karl-May-Roman.
Geschreinert nach selbstausgedachten Motiven. Abenteuerlich verpackt. An dieser Stelle übertrieben und an der anderen zugespitzt. So hatte der fantasiebegabte Sachse ein Leben lang Millionen Leser fasziniert. Was genau wahr war und was erlogen, was ein bisschen stimmte und was überhaupt nicht, das war nicht einmal zu erraten.
Karl May als Vorbild
Ein Vorbild, nach dem auch Correctiv seine Enthüllung schreinerte. Schon nach den ersten Klagen gegen die sogenannte "Potsdam-Recherche" zog sich das Medienhaus mit inzwischen 180 Mitarbeitern auf die Behauptung zurück, der behauptete "Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger" sei auf dem Potsdamer Treffen zwar nicht wirklich verhandelt worden. Man sei aber der Meinung, man dürfe die Meinung äußern, dass er trotzdem verhandelt worden sei.
Das hätten sie alle nur missverstanden, die großen Medien von DPA, ARD, ZDF, Spiegel, SZ und FAZ bis zur taz, hunderten von Regionalblättern bis hin zu den ehrlich empörten Influencern und Aktivisten, die ihren Anhang aus echtem Entsetzen auf die Straße gerufen hatten. Falsch verstanden. Dumm gelaufen. Die Kollegen hätten eben recherchieren müssen.
Es braucht keine Tatsachen
Aber rechtlich sauber: Wie ein Karl-May-Roman nicht auf Fakten beruhen muss, muss auch eine Enthüllung wie die des "Geheimplanes" nicht auf Tatsachen beruhen. Ein Satz wie der "Es bleiben zurück: (…) ein 'Masterplan' zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern; also ein Plan, um die Artikel 3, Artikel 16 und Artikel 21 des Grundgesetzes zu unterlaufen" ist nach Ansicht des Recherchenetzwerkes klar zu erkennen als sogenannter "Winnetou": Wie der nie gelebt hat, ist der Satz nie gesprochen worden.
Fakt. Wer gewollt hätte, für den war das von Anfang an erkennbar. Wie die "Gruppe Reuß" ihren Rollatoraufstand nur planen konnte, weil sich die Beteiligten offenbar in einem Zustand der Schuldunfähigkeit befanden, war die schräge Tafelrunde von Potsdam mit derselben Wirkungsmächtigkeit in der Lage, "millionenfache Remigration" zu planen, mit der sie eine Marslandung des Bundeswehr-Weltraumkommandos bis zum Jahr 2030 hätte veranlassen können.
Unverkennbarer Unsinn
Der Unsinn war unverkennbar. Der Wille aber, ihn dennoch zu glauben, größer als die Journalisten von Berufs wegen aufgegebene Pflicht, die Fakten zu prüfen. Wer zweifelte, war ein Leugner. Wer auf die fatale Wirkung der vermeintlichen "Recherche" hinwies, die an die dunkelsten Zeiten der von Hitler und Honecker heraufbeschworenen Massenaufmärsche erinnerte, sah sich als Feind der Demokratie verleumdet.
Deutsche Mühlen mahlen langsam und sie mahlen leise. Über fast zwei Jahre steckte Correctiv in einer ganzen Anzahl von Gerichtsverfahren Niederlagen ein. Die Wiederholung von Aussagen wurde untersagt. Das "Recherchenetzwerk" musste zugeben, dass seine Geheimplan-Enthüllung nicht auf Tatsachen beruhte, sondern auf reiner Interpretation.
Verbotene Falschbehauptungen
Jetzt hat das Landgerichts (LG) Berlin mit der Veröffentlichung der Begründung zu einem entsprechenden Urteil vom 17. März 2026 (27 O 379/25) den letzten Nagel in den Sarg der Karl-May-Erben geschlagen. Danach ist die Behauptung des Correctiv-Berichtes, in Potsdam sei die millionenfache Vertreibung von Menschen geplant worden, frei erfunden.
Ausdrücklich legt sich das Gericht fest: Es sei kein Plan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger geschmiedet worden. Das wahrheitswidrig dennoch zu behaupten, sei keineswegs eine Meinungsäußerung. Sondern eine Falschbehauptung, die, so das Landgericht Berlin, Correctiv nicht wiederholen dürfe.
Blamage für das Kollektiv
Es ist eine Blamage für das Kollektiv, das sich selbst stets als Brandmauer zwischen rechten Fake News und der lauteren linken Wahrheit inszeniert. Nach dem Gerichtsurteil hat Correctiv so dreist manipuliert, dass die aufgestellten Behauptungen auch dann unzulässig sind, wenn sie nicht als Tatsachenbehauptung, sondern als Meinungsäußerung gemeint gewesen wären.
Das Landgericht Berlin wirft Correctiv zudem vor, unvollständig berichtet zu haben. Was nicht ins gewünschte Bild passte, sei weggelassen worden wie etwa der Umstand, dass der vermeintliche Oberabschieber Martin Sellner auf dem Potsdamer Treffen selbst erklärt hatte, dass Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft eben nicht zur Zwangsausreise verpflichtet werden könnten.
Der Todesstoß
Unter normalen Umständen wäre das der Todesstoß für ein Medium, das von sich behauptet, nur der Wahrheit verpflichtet zu sein, jetzt aber mit Gift im Kugelschreiber dabei erwischt wurde, wie es die öffentliche Debatte gezielt manipuliert hat. Das Einzige, was Correctiv vor der öffentlichen Verurteilung rettet, ist die erprobte Solidarität der Leitmedien. Dieselben Adressen, die die wilden Vertreibungsfantasien aus der Vorstadtvilla vor zwei Jahren ungeprüft als Tatsache in die Welt geblasen hatten, schweigen nun fein still über den Umstand, das alles erstunken, erlogen und erfunden war.
Weder bei der "Tagesschau" noch beim "Spiegel" findet sich eine einzige Zeile über das spektakuläre Scheitern eines Nationalschwindels. Der "Süddeutschen Zeitung" reicht eine knappe Meldung, die Taz spart sich selbst die. Auch für Correctiv ist die epochale Niederlage vor einem ordentlichen Gericht kein Thema. Aktuell geht es der Rechercheplattform um "Gift im Duschgel". Denn, wer hätte es gedacht: "In Drogerien und im Onlinehandel lassen sich Produkte kaufen, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten."
Ausnahmsweise stimmt das sogar.

