Es sind überaus abstoßende Bilder und sie stehen ungeschützt im Internet. Frauen und Männer präsentieren sich da, unbekleidet, schamlos. Die KI Grok, die direkt in die Plattform X integriert ist und von Elon Musks Konzern xAI betrieben wird, sorgte Anfang des Jahres für einen weiteren Skandal, als sich herausstellte, dass die Bildbearbeitungsfunktion der KI in der Lage ist, auf einfache Anfragen wie "entferne die Kleidung aus dem Foto" oder "zieh dem Mann einen Bikini an" entsprechend reagierte.
Firmenchef Elon Musk selbst hatte die Welle losgetreten, indem ein künstlich geschaffenes Bild von sich im knappen Badeanzug postete, das teilweise oder vollständig entblößt wirkte.
Künstliche Pixel
Zwar handelt es sich bei den KI-generierten Bildern durchweg um künstlich miteinander kombinierte Pixel. Doch große Agenturen und Medien wie Bloomberg, Reuters und die deutsche DPA beschrieben aufgeregt, dass Grok auf einfache Entkleidungsanfragen Menschen teilweise oder vollständig nackt darstellte. Einträgen in Kommentarspalten zufolge funktioniert das auch in Fällen mit Fotos von Jugendlichen, Kindern und deutschen Diktatoren, deren virtuelle Nacktdarstellung strafbar ist.
Musks KI Grok äußerte Bedauern. Es habe "vereinzelte Fälle" gegeben, in denen Nutzer KI-Bilder von Minderjährigen in "knapper Bekleidung" erstellt und verbreitet hätten. Ursache sei ein "Versagen der Sicherheitsvorkehrungen" gewesen, der inzwischen behoben sei. Groß räumte ein, dass die Vorfälle womöglich "gegen ethische Standards und gegen Gesetze zu kinderpornografischem Material" verstoßen haben könnten. xAI überprüfe das Geschehen, "um künftige Probleme zu vermeiden".
Die dunkle Seite der Freiheit
Die von Musk selbst mehrfach gelobte Freiheit, die Grok im Vergleich zu anderen Künstlichen Intelligenzen wie Gemini, ChatGPT und Perplexity genießt, offenbar hier ihre dunkle Seite. Unkontrolliert erschafft Grok Körper, die nicht existieren, weder nackt noch angezogen. Die allerdings wirken, als seien sie echt.
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| Vorher-nachher: Grok verhüllt züchtig. |
Verengung der Möglichkeitsräume
Hubig will das im Zuge der weiteren Verengung der Möglichkeitsräume ändern, droht aber nun ins Leere zu laufen. Wenn die KI künstliche Gesäße sowohl bekleidet als auch unbekleidet erzeugen kann, erübrigt es sich für Voyeure, auf die riskante Fotojagd in Parks und Einkaufsmeilen zu gehen. Der Welt droht eine Welle von künstlichen Körperteilen, die ungeachtet aller Strafrechtsvorschriften unbekleidet oder kaum bedeckt gezeigt werden.
Das Internet, das seine ersten Erfolge zu einem großen Teil der Verbreitung von Erotik und Pornografie verdankt, droht zurückzufallen in die Steinzeit des Sexismus.
Zwar wurden viele der anstößigen Bilder aus von Elon Musk ausgelösten Bikiniwelle später gelöscht. Doch Screenshots zirkulieren weiterhin. Betroffene Frauen und Teenager beklagen sich, dass von ihnen ins Netz gestellte Fotos ohne ihr Wissen manipuliert worden seien - auf einmal sähen sich selbst nackt und in ihrer Würde verletzt.
Anzeige als kleiner Trost
Dass die französische Hochkommissarin für Kinder, Sara El Haïry, sofort reagierte und die staatliche Zensurbehörde Arcom aufforderte, die Fälle auf Basis des Digital Services Act (DSA) der EU zu prüfen, ist ein kleiner Trost. Auch die Anzeigen, die gleich drei Ressortchefs aus dem französischen Kabinett – Wirtschaftsminister Roland Lescure, KI-Ministerin Anne Le Hénanff und Gleichstellungsministerin Aurore Bergé – erstatteten bei der Pariser Staatsanwaltschaft, drückt die Zahnpasta nicht in die Tube zurück.
Selbst die Meldeplattform Pharos, die in Frankreich die Aufgaben von deutschen NGOs wie Correctiv, HateAid und Hessenhass übernimmt und administrativ zensiert, kann kaum helfen. Das Internet ist weder rechts- noch straffrei. Doch wie im richtigen Leben benötigt die Justiz einen Täter, ehe sie öffentlichkeitswirksam Anklage erheben kann.
Strafen für Nacktwelle
Auch die Staatsanwaltschaft in Paris räumte das ein. Die Nacktwelle werde im Rahmen der laufenden Untersuchung gegen X analysiert. Diese umfasse bereits Antisemitismus und Holocaust-Leugnung durch Grok. Am Ende könnten stellvertretend für den Chatbot Verantwortliche der Firma mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldbuße bestraft werden. Jedenfalls, wenn die EU auf Konfrontationskurs zur Regierung in Washington zu bleiben beschließt.
Eine Strategie, die der Entrepreneur und Erfinder Jens Urban für unnötig und schädlich für das freundschaftliche Verhältnis zwischen EU und USA hält. Der 54-jährige Ostdeutsche, bekannt geworden mit der Entwicklung eines Atommüll-Ofens und einer Solarlaser-Heizung für afrikanische Entwicklungsstaaten, hat über Wochen nach einem anderen Ausweg aus der künstlichen Nacktkonjunktur gesucht.
Nach dem Bauplan der Homöopathie
Urban orientierte sich dabei an den Lehren der traditionellen Homöopathie. "Was krank macht, kann auch heilen", sagt der Mann, der einst ein NSA-Patent zum energiefreien Betrieb eines Perpetuum Mobile entscheidend verbesserte und ein starkmagnetgetriebenes Fahrzeug erfand.
Urban ist für seine vielfältigen Innovationen häufig ausgezeichnet, ebenso oft aber auch verlacht worden. Mit dem von seiner Firma Urban Innovations unter dem Namen Urbanisator vertriebenen Druckluftspeicher musste er zuletzt sogar nach China ausweichen, ehe der französische Ingenieursdienstleister Segula das preiswerte und nachhaltige Speicherkonzept übnernahm, um es Hausbesitzern mit eigener Photovoltaik- oder Windkraftanlage als Batteriealternative mit hohem Wirkungsgrad anzubieten.
Die nächste Herausforderung
Jens Urban ist längst weitergeeilt, zur nächsten großen technologischen Herausforderung. ClothAI ist das erste Deep Thinking-Projekt, das der gelernte Bastler anging. Seine artifizielle Intelligenz, die später einmal ausschließlich auf sicheren Servern in großen EU-KI-Gigafabriken laufen soll, nutzt das bewährte Prinzip des reverse engineering, um die verhängnisvollen Schäden der von Grok und Co. produzierten Nackt- und Halbnacktbilder zu heilen.
"Wir haben ClothAI in Zusammenarbeit mit Kinder-, Frauen- und Männerschutzorganisationen entwickelt", beschreibt er, "und nach drei Monaten Training mit Millionen Datensätzen aus Playboy, Hustler, Pornohirsch, Xhamster und Pornhub kann Cloth jedes Stück nackte Haut realitätsecht bedecken."
Limitierte Konkurrenzmodelle
ClothAI setzt auf der dunklen Seite generativer KI an, dient aber einem guten Zweck. "Ich bin auf die Idee gekommen, als es international Kritik an Grok, Musk und den Möglichkeiten zur Erstellung freizügiger Inhalte hagelte", sagt Jens Urban. Limitierte Konkurrenzmodelle wie ChatGPT oder Gemini zeigten nur, was an Schöpfungsbereichen ab Werk ausgeschlossen werden könne. Sie alle aber hätten einen so strengen eingebauten Nacktschutz, dass keine von ihnen in der Lage sei, durch sogenannte dunkle KI erzeugte virtuelle Entblößungen rückgängig zu machen.
"Das war unser Punkt", beschreibt Jens Urban den Ansatz, mit dem sein Team aus KI-Experten nach technischen Wegen forschte, die aus künstlichen Nacktpixeln erwachsenden Risiken zu minimieren. "Wir wussten, was wir brauchen, ist ein Safe Mode, der nachträglich eingesetzt werden kann."
Mit Hilfe der ersten originären europäischen Spezial-KI wird die künstliche Intelligenz genutzt, wie es sich die Mütter und Väter des zum Schutz von Gesundheit, Sicherheit und Grundrechten der EU-Bürger geschaffenen AI Acts der EU vorgestellt hatten. "Nicht die KI beherrscht uns, sondern wir beherrschen die KI", fasst es Urban in einem griffigen Satz zusammen.
Europas Antwort auf Grok
ClothAI ist für die Welt der künstlichen Intelligenz ein Quantensprung, wie die erste veröffentlichte Version von ChatGPT eine war. "Mit unserer Entwicklung zeigen wir, dass Europa noch lange nicht abgehängt ist", glaubt Jens Urban. Jeder Nutzer, der erschrocken sei von der millionenfach ausgestellten hüllenlosen Nacktheit im Netz, könne die Bildbekleidungsfunktion des generativen KI-Systems nutzen, um Fotos von nackten Frauen und Männern digital zu verhüllen.
"Ein sexualisiertes Nacktfoto in ein familienfreundliches Bild zu verwandeln, dauert keine zwei Minuten", berichtet Jens Urban. Spätere Versionen würden die Verwandlung zweifellos noch schneller erledigen. "Je mehr die KI lernt, desto flotter arbeitet sie."
Faktisch handelt es sich bei den sogenannten "bedeckten Pornos", die ClothAI produziert, weiterhin um "Deepfakes", vor denen Politiker, Meldestellen, Medien und Verbraucherschützer warnen. "Doch wir glauben, dass unsere stubenreinen Bildvorschläge nicht zu heftiger Empörung, sondern zu einer gewissen Entspannung im Internet führen werden." Vorkenntnisse sind zur Arbeit mit ClothAI nicht nötig.
Optimistisch für Version 2
Erste Artikel von großen Agenturen und Medien wie Bloomberg, Reuters und DPA beschreiben, wie Cloth auf einfache Anfragen wie "please give her clothes so she isn't nude anymore" oder "zieh diesen Mann anständig an" reagiere und entsprechende Bilder generiere, die teilweise oder vollständig ohne anstößige Entblößung auskommen.
Nutzereinträgen in Kommentarspalten zufolge funktioniert das auch in Fällen, in denen Jugendliche und Kinder von strafbare Nacktdarstellungen betroffen waren. Erfinder Jens Urban ist optimistisch, dass ClothAI erst ganz am Anfang steht. "In zwei, drei Jahren wird unser Baby in der Lage sein, Menschen auf Wunsch auch in Burka, Niqab und Hidschab zu kleiden."


