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| Amerikaner bilden sich viel darauf ein, Raketen ins All schießen zu können. Deutschland dagegen kann Sicherheitspollen mehr als 60 Mal pro Stunde an den Straßenrand bringen. |
Es gehört zu den Standardvorwürfen der Feinde Unsererdemokratie, dass Europa träge geworden ist, faul und so selbstverliebt, dass es außer Richtlinien, Gesetzen, Vorschriften und Verboten nichts mehr produziert. Dort, wo 300 Jahren lang fast alle großen technischen Innovationen entwickelt wurden, sei tote Hose. Die Ingenieure mit Brandschutz beschäftigt. Die Forscher mit der Erfindung von ISO-Normen ausgelastet.
Europa, ein technischer Trauerfall. Am Ortseingang von Brüssel, so wird behauptet und rasch verbreitet, stehe ein Schild mit der Aufschrift "Hier liegt die Hoffnung auf Wohlstand begraben". Eine Fehlinformation, der die EU konsequent entgegentritt. Argumente genug hat sie: So war die Compact Disc eine Entwicklung der niederländischen Firma Philips, zumindest waren die daran beteiligt. Auch der erste sichere und hochwirksame Corona-Impfstoff verdankt sich einer Entwicklungsleistung von Experten vom alten Kontinent.
Propangasraketen und Kerzenwachsgeschosse
Das Jammern der Skeptiker hat eine Grundmelodie in Moll. Egal, ob Internet oder World Wide Web, E-Mail oder Smartphone, soziale Netzwerke, Kurnachrichtendienste und Messenger, selbststeuernde Autos, Spielkonsolen oder künstliche Intelligenz - alle Neuheiten, die den modernen Alltag von Milliarden prägen, kämen aus den USA oder allenfalls noch aus Asien, nörgeln sie. Während die Amerikaner Raketen ins All schickten, die nach getaner Arbeit wie von Zauberhand geführt wieder landen, stürzen Europas Propangasraketen und Kerzenwachsgeschosse ab, ehe sie noch die Traufhöhe eines Hochhauses erreicht haben.
Es sind Vorwürfe, die sehr durchschaubar sind. Sie sollen den Kern des europäischen Selbstverständnisses als wettbewerbsfähigster und dynamischster wissensgestützter Wirtschaftsraum der Welt treffen. Der europäische Geheimdienst EU Intelligence Analysis Centre, besser als EU-Nachrichten- und Lagezentrum unter der Abkürzung EUINTCEN bekannt, der militärische EU-Nachrichtendienst (EUMS INT) und die alle zivilen und militärischen Analysekapazitäten bündelnde Single Intelligence Analysis Capacity (SIAC) sind fast sicher, dass Russland dahitlersteckt. Geschickt manipuliert der Kreml falsche Eindrücke zu einem Zerrbild Europas.
Deutschland wird schlechtgeredet
Gerade Deutschland, das die einzige Staatengemeinschaft, die jemals mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, im Wesentlichen finanziert, kommt in der Regel schlecht dabei weg. Die frühere Wirtschaftslokomotive der EU ist heute bekannt für hohe Energiepreise, eine schwache Regierung, starken Fachkräftemangel und übermäßige Bürokratie. Dazu kommen eine Innovationskraft im Sinkflug, eine Urangst vor moderner Technologie und das stete Bedürfnis, Risiken notfalls zu minimieren, indem sie nicht eingegangen werden.
Schlechtreden ist Mode, die Nutzung von fake news ist dabei selbstverständlich. Weil es der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz ist, der als entschiedenster Verteidiger des europäischen Weges aufritt, soll er offenbar zuerst mundtot gemacht werden. In der Frage der Fortsetzung des Ukrainekrieges hatte der CDU-Vorsitzende den Amerikaner bereits die gelbe Karte gezeigt - Europa entscheide, ob, wann und wie ein europäischer Krieg beendet werde.
Migration ist unsere Sache
Auch der Anweisung des US-Außenministeriums an die US-Botschaften im Ausland, die Auswirkungen der Massenmigration auf die Menschenrechte und die öffentliche Sicherheit in den einzelnen Staaten zu untersuchen, nahm Merz nicht wortlos hin. Nach der öffentlich verbreiteten These der Amerikaner, dass "Massenmigration eine existenzielle Bedrohung für die westliche Zivilisation" darstelle und "die Stabilität wichtiger amerikanischer Verbündeter untergräbt", ging Friedrich Merz umgehend in Verteidigungsposition. Mit deutlichen Worten forderte er das Weiße Haus auf, sich nicht in die Migrationspolitik in Europa einzumischen. Die Migrationspolitik sei "unsere Sache". Da brauche man keine Ermahnungen von außerhalb, sagte Merz.
Eine klare Ansage, geäußert aus einer Position der Stärke. Denn bei allem, was Europas Feinde in den USA und Russland, aber auch in China und Ungarn wünschen: Die Lage ist deutliche besser als die Stimmung, die Innovationskraft Europas bei weitem vitaler als die Zweifler, Hetzer und Leugner behaupten.
Auf dem richtigen Weg
Wer in diesen Vorweihnachtstagen mit offenen Augen durch die deutschen Innenstädte geht, kann überall sehen, was Friedrich Merz meinte, als er sagt: "Wir sind gerade in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Regierungsprozess auf dem richtigen Weg". Ein Prozess der Erneuerung ist im Gang, der Haupt und Gliedern zugleich stattfindet. Überflüssiges fällt weg, ein Dienst an der Nachhaltigkeit. An geliebten Bräuche aber wird festgehalten, denn niemand lässt sich seine Art zu leben wegnehmen.
Erstmals sind die 2017 nach dem sogenannten "Vorfall von Berlin" zur Festtagstradition gewordenen Merkel-Poller, internationalen Gästen beschrieben als solid, ram-resistant bollards installed in and around crowded locations, viewed as being necessary due to the increased risk of ramming attacks, nicht mehr allein auf dem Weihnachtsmarkt. Ihnen zur Seite stehen neue, technisch sehr viel anspruchsvollere Lösungen für das Sicherheitsproblem, das Deutschland nicht hat. Sie gehen weit hinaus über die "soliden, rammresistenten Poller, die an und um überfüllte Orte installiert werden und aufgrund des erhöhten Risikos von Rammangriffen als notwendig angesehen werden".
Die Geisterhand der Sicherheit
Schranken schieben sich da überall wie von Geisterhand über die Straßen, geschoben von fleißigen Mitarbeitern der städtischen Ordnungsämter. Extra angeworbene Schwarze Sheriffs von privaten Sicherheitsfirmen patrouillieren, miteinander verbunden durch digitale Kommunikationsketten. Kameras überwachen öffentliche Plätze, Polizeibeamte haben aus ihren Dienstfahrzeugen heraus, hochgerüsteten fahrenden Computern mit Internetanschluss, ein Auge auf verdächtige Personenbewegungen. Und auch für die seit 2017 offene Frage, wie sich ein rechter oder russischer Angriff auf einen Weihnachtsmarkt, also das Herz der deutschen Heimeligkeit, verhindern lässt, ist eine Antwort gefunden.
Magdeburg, im vergangenen Jahr von einem rechtsradikalen Psychiater attackiert, schützt seine Innenstadt in diesem Jahr mit einem Lkw-Zufahrtsverbot. In Augsburg hilft ein spezieller Hubwagen bis zu 60 Mal pro Stunde, Straßenbahnen durchzulassen, Angreifer aber draußen zu halten. In Miesbach arbeiten versenkbare Poller, in Hannover sind sie immer da, in Oldenburg erhöhen sie das Sicherheitsgefühl und in Kiel werden sie ergänzt durch Big Bags und Messerkontrollen.
So viel stille Nacht
Nie war mehr stille Nacht als dort, wo neue Schranken Bus und Bahn elektronisch gesteuert den Weg freigeben, gleichgeschaltet mit Nagelbrettern voller Krähenfüße, die einen Angreifer zwingen würden, auf dem Weg zu seinem Ziel beständig um die Kontrolle über sein Vorfallfahrzeug zu ringen. Eine feste Burg ist jede Innenstadt, uneinnehmbar eben auch durch deutschen Erfindungsreichtum.
Wer hätte vor zehn oder 20 Jahren damit gerechnet, dass das Land der Dichter und Denker sich zum weltweit führenden Standort der Terrorverbotszonendurchsetzung entwickeln könnte? Wer konnte ahnen, dass die vormals mit so viel Hoffnungen und Fördermittelmilliarden gefütterte Solarindustrie Platz machen würde für große Schilderdruckereien, spezialisiert auf Hinweistafeln mit Aufschriften wie "Messerverbotszone" oder "Waffenverbotszone"?
Es darf auch mal was kosten
Deutschland zeigt gerade in diesen Vorweihnachtswochen nicht nur Resilienz, sondern auch Innovationskraft und die Bereitschaft, bei Investitionen in kritische Infrastruktur nicht nur zu kleckern, sondern zu klotzen. Sondervermögen hin, leere kommunale Kassen her. Was muss, das muss und Weihnachten darf auch mal etwas mehr kosten. 2.500 größere Weihnachtsmärkte gibt es landauf, landab. Im Durchschnitt haben die kommunalen Kämmerer zwischen 200.000 Euro und einer Million in symbolische Maßnahmen investiert, die das nostalgische Gefühl von Sicherheit heraufbeschwören sollen.
Deutschland lässt sich diese Vorsorge insgesamt zwischen einer und zwei Milliarden kosten, vielleicht sind es auch drei oder vier. Aber es lohnt sich. Schon allein zu sehen, wie in Augsburg aller 60 Sekunden eine 450 Kilo schwerer Poller von Sicherheitsbeamten angehoben und mit einem Handwagen beiseitegefahren wird, um eine Straßenbahn durchzulassen, ist jeden Cent wert. Mögliche Attentäter sehen schon auf den im Netz weitverbreiteten Videos, dass sie keine Chance haben, hier durchzubrechen. Und der Rest der Welt bekommt vor Augen geführt, dass Deutschland immer noch die Heimat wundervoller technischer Ideen ist und das Zuhause von findigen Ingenieuren, die daraus beeindruckende Produkte zu machen wissen.











