Die Lage ist natürlich überaus komplex. Nichts Genaues weiß niemand, abgesehen von Experten, die das Schaffen von linken Politaktivisten durch Beschnüffeln traumwandlerisch sicher identifizieren können. Rechtschreibfehler. Falsche Namen. Ein wirr formuliertes Kauderwelsch aus platten Phrasen und ideologischem Gebrüll - kein wahrer Linksterrorist würde so schreiben.
Dahitler steckt der Kreml, den dort sind die professionellen Fälscher zu dämlich, um ein Bekennerschreiben so abzufassen, dass es glaubhaft auf die Urheberschaft einer zivilisationsfeindlichen linken Terrororganisation hinweist. Vieles können die Fälscher des FSB den Völkern der Welt vormachen. Aber wer den US-Vizepräsidenten Vance als "Vans" schreibt, verrät, dass er den Namen aus dem kyrillischen Alphabet übernommen hat.
Und wer die seit ihrer gefälschten Doktorarbeit weltweit bekannte Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey als „Giffay“ bezeichnet, der zeigt, dass er nicht annähernd über den Bildungsstand linker Revolutionäre aus dem gehobenen Bionade-Bürgertum verfügt.
Typische Kremlfehler
Wie ein Kenner des Milieus urteilt, der noch nie eine Zeile auf dem linken Terrorbekennerportal Indymedia gelesen hat: "Linke Politaktivisten machen keine derartigen Fehler." Bisher liegen den deutschen Behörden keine Hinweise dazu vor, dass Russland seine Finger im Spiel hat. Doch genau das ist ein unwiderlegbarer Fingerzeig: Die Handschrift der russischen Geheimdienste zeigt sich immer in unsichtbarer Schrift.
Beim Anschlag von Berlin-Lichterfelde ließ sich wie in Zeitlupe beobachten, wie eine Trollarmee aus hanebüchenen KI-Prompts, freischwebender Fantasie und Zirkelschlüssen eine Flutwelle aus Fake News fabrizierte. Ers waren sie es, dann betonten sie, es sei nicht so gemeint gewesen. Dann wollten sie es doch nicht gewesen sein. Linke riefen zu Demos gegen linken Terror auf, für den sie "Putin Partisanen" verantwortlich machen.
Die von #TeamHabeck übriggebliebenen Truppenteile zeigen noch einmal ihre Fähigkeit, die Welt verschieden zu interpretieren und sich damit zu verändern, wie es Karl Marx in seinen Feuerbach-Thesen empfohlen hatte. Nicht einmal die Beschwerdeführung der Terroristen, die sich von den schnell in die Tagespresse schwappenden Behauptung, sie seien in Wirklichkeit ein russisches Einsatzkommando mit begrenztem Wortschatz, vermag die Verteidiger der linken Gewalt stoppen.
Das dürfen keine Linken sein
Es sei die AfD gewesen, die dem Kreml über parlamentarische Anfragen die Informationen über die sensiblen Punkte des Stromnetzes besorgt habe. Jan van Aken von der Linkspartei, bei der der wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte ehemalige RAF-Chef Christian Klar nach seiner Haftentlassung als Internetgehilfe angestellt war, verurteilte "diese Aktion" als "total Panne". Da sei sich "die gesamte Linkspartei einig, dass das nicht richtig ist". Denn ihn sei "linke Politik eine, die an der Seite der Menschen steht". Wenn das andere Linke anders sehen, sind sie keine Linken. So einfach. Alles andere würde der Bewegung schaden.
Bewiesen ist damit, dass es sich beim Blackout-Anschlag von Berlin um eine Operation Russlands handelt. Der Machthaber in Moskau möchte den Glauben der Deutschen an ihren Staat zerstören, er will Zweifel daran mehren, dass die Bundesregierung die Prozesse noch im Griff hat. Aber natürlich geht es Wladimir Putin auch darum, die Friedensverhandlungen um die Ukraine zu torpedieren und das Ansehen der volksverbundenen linken Parteien in Deutschland zu beschädigen, um seine U-Boote BSW und AfD an die Macht zu bringen.
Keine Demos gegen links
Es geschieht so das Unausweichliche, das für viele Menschen draußen im Land in diesen Tagen ohne Strom, ohne Heizung und bei klirrender Kälte so schwer zu verstehen ist. Ein Brandanschlag legt Teile der kritischen Infrastruktur der deutschen Hauptstadt für Tage lahm. Doch weder beginnt eine großangelegte Jagd auf die Linksextremisten, die Zehntausende einfacher Bürgerinnen und Bürger aus ihrem Alltag gerissen haben. Noch gehen Menschen bundesweit auf die Straße, um gegen die Vernichtungspolitik der linken Degrowth-Ideologie zu demonstrieren.
Stille Post statt lautem Gebrüll. Die Politik regiert aus der zweiten Reihe auf den Ausnahmezustand. Die "Tagesschau" behandelt den Notstand wie ein umgekipptes Regenfass in einer Kleingartenanlage in Lichterfelde. Ruhe und Ordnung, nur keine Aufregung. Alles wird gut, die Lage ist unter Kontrolle. Zum Glück sind die Täter weder Reichsbürger noch Sylt-Schnösel, die "DöpDöppDöDöpp" singen und die Nation damit an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben.
Aber doch "inakzeptabel"
Kai Wegner, der christdemokratische Regierende Bürgermeister von Berlin, hat seiner grundlegenden Abscheu mit dem Satz Ausdruck verliehen, der Anschlag "inakzeptabel". Franziska Giffey fordert eine Untersuchung dahingehen, ob hitler dem Anschlag wirklich nur eine harmlose "linke Gruppe von Aktivisten" stecke, "die ideologisch unterwegs" sei. Oder doch mehr.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wollte die Ergebnisse nicht abwarten. Nach Aktenlage hat der CSU-Mann die "Rückkehr des Linksextremismus" ausgerufen. Als wäre der je weg gewesen. Und nach einigen Momenten der Ratlosigkeit, wie sich ein offenbar ja gutgemeintes Attentat sachlich akzeptierend begleiten lässt, sind die Leitmedien dazu übergegangen, ihre Berichterstattung vom Anlass weg auf den Streit um die Bekennerschreiben zu verlegen.
Kein Merz-Besuch am Tatort
Auch am vierten Tag nach der folgenreichsten Attacke auf Teile der bei anderen Gelegenheiten gern als "Kritis" bezeichneten kritischen Infrastruktur seit dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines ist Friedrich Merz nicht am Tatort aufgetaucht. Der Kanzler hat keine Fernsehansprache an sein Volk gehalten, er hat die Rettungsmannschaften nicht besucht, nicht die Suppenküchen und nicht die bibbernden Familien in ihren ausgekühlten Neubaublocks.
Kein Wort kam aus dem Kanzleramt, kein Wort des Mitgefühls, keins der Verurteilung der schändlichen Tat. Die gesamte Bundesregierung schweigt. Verurteilt hat sie zuletzt allein den Witz des russischen Ex-Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew, der nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch Trumps Truppen geulkt hatte, "die Entführung des Neonazis Merz könnte eine hervorragende Wendung in dieser Karnevalsserie sein".
Fern vom Ereignisort
Wie Merz und Berlins Bürgermeister Wegner und Bundespräsident Walter Steinmeier hält sich auch Alexander Dobrindt bewusst fern vom Ereignisort. Niemand will den Terror aufwerten, niemand Russland oder seinen Verbündeten in Deutschland zeigen, wie verletzlich Deutschland immer noch ist, obwohl das Land mittlerweile über ein halbes Dutzend Terrorbeobachtungs- und Bekämpfungszentralen von Polizei, Justiz, Bundeswehr und Geheimdiensten verfügt.
Es wäre einfach gewesen, an den Ereignisort zu eilen wie es für frühere Politikergenerationen von Helmut Schmidt über Helmut Kohl und Gerhard Schröder bis zu Angela Merkel guter Brauch war. Mit ernstem Gesicht durch die Trümmer stapfen. Den Jammernden und Verzweifelten die Hand auflegen. Hilfe versprechen. Und Konsequenzen. Wer es schafft, an der richtigen Stelle nicht zu lachen, gewinnt.
Eine globale Größe
So leicht, so verführerisch. Doch Friedrich Merz hat dem Drang widerstanden, es sich leicht zu machen und seine miserablen Beliebtheitswerte mit einem Besuch der Baugrube in Berlin aufzubessern. Der Christdemokrat weiß, dafür ist er nicht gewählt worden. Wie Merz in seiner Neujahrsansprache verkündet hat, geht es ihm um Weichenstellungen in ganz anderen Dimensionen. Der Kanzler sieht sich im Unterschied zu seinem eher provinziell geprägten Vorgänger als globale Größe. Ein kleiner Unfall daheim kann ihn nicht von seiner wahren Mission abbringen.
Merz ist dabei, die anderen Europäer zu einer vierten Weltmacht zu einen. Er will der Ukraine Frieden bringen, Grönland gegen die Begehrlichkeiten aus Washington verteidigen und auch die deutsche Wirtschaft möchte er in Kürze wieder aufbauen. Sich um eine Petitesse wie die ausgefallene Heizung in einigen Stadtteilen Berlins zu kümmern, bleibt ihm einfach keine Zeit.
Es heißt, ein kalter Hund sein und Prioritäten setzen. Merz ist gewählt, um die Ukraine und mit ihr den gesamten Wertewesten vor dem Untergang zu bewahren. Er ist der "Führer Europas" (Die Welt), an dem sich die Mühseligen und Beladenen, die Verzagten und Verzweifelten ausrichten wie Eisenspäne an einem Magneten.
Neuer Angriff im neuen Jahr
Über Weihnachten sind im Haus des Kanzlers große Pläne gereift, Pläne, die weit hinausgehen über das Zusammenlöten einiger Starkstromleitungen in einem Kabelschacht am Rand der Hauptstadt. Wie vor einem Jahr, als der damalige Spitzenkandidat von CDU und CSU im Bundestagswahlkampf eine kompromisslos auf Wachstum orientierte Politik für die Zeit nach seinem Wahlsieg ankündigte, ist Merz auch heute wieder brutal entschlossen, alles Notwendige zu tun, was in der Zeit nach seinem Wahlsieg denn doch liegengeblieben war.
In einem Brief, offiziell an die eigene Partei und den Koalitionspartner gerichtet, in Wirklichkeit aber als Appell an die Öffentlichkeit gedacht, klagt Merz über "Arbeitskosten, Energiekosten, Bürokratielasten und auch die Steuerlasten", die "nach wie vor zu hoch" seien. Irgendwie sei viel erreicht worden, die Lage in der Wirtschaft aber inzwischen in vielen Bereich "sehr kritisch". Merz hat über die Feiertage nachgedacht und eine geradezu brillante Idee ausgebrütet: Diese Probleme zu lösen, werde das Vertrauen in die Politik und den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken.
Nicht über jedes Stöckchen
Geht der Plan auf, wird in einem Jahr niemand mehr fragen, wo der Regierungschef war, als Zehntausende froren, als Moskauer Trolle versuchten, deutschen Terroristen die Fähigkeit zu gezielten Anschlägen abzusprechen. Man wird ihn dafür ehren, dass nicht in die Falle tappste, als Leitmedien begannen, der Klickraten wegen linke Latrinenparolen zur Leugnung der immerhin schon seit 15 Jahren terroristisch aktiven Vulkangruppe zu wiederholen. Dieser Kanzler springt nicht über jedes Stöckchen. Er sieht die großen Linien. Merz pokert und er hofft, dass seine Kaltschnäuzigkeit im Angesicht des Leidens so vieler Menschen sich als richtig erweisen wird.









