Der Frauenbetrieb aber wurde von Männern regiert. Und die begannen nach der Wende zu rechnen: Mit verheerenden Ergebnissen. Auch die Hasatronic arbeitete zu teuer. Jedes Teil, das den Betrieb verließ, mußte vom Staat gestützt werden. Als der Staat fort war, war auch die Produktion nicht mehr zu halten, denn Fernsehgeräte baut man nicht in Deutschland, sondern in Fernost.
Nokia, damals noch auf dem Weg vom Gummistiefelerzeuger zum Handy-Weltkonzern, erwog ebenso wie Sharp, die Reste der Firma zu kaufen. Das scheiterte aber an den Preisvorstellungen der Treuhand und an einem Wink aus dem Rathaus, das auf die anstehende Verschärfung von Auflagen für Produktionsbetriebe in Mischgebieten hinwies.
In Halle standen die Bänder still. So blieb es bei Auftragsarbeiten für Blaupunkt, Nokia und andere. Die aber blieben auch bald aus, weil "keine Firma Aufträge an Geschäftspartner vergibt, von denen sie nicht weiß, ob es sie morgen noch geben wird", wie der letzte Geschäftsführer beschreibt. Der Auszehrung folgte die stille Liquidation.
Die wunderschöne, gutgelegene Immobilie der Hasa-tronic, von der die Belegschaft am Ende glaubte, sie sei das Schicksal des Unternehmens, weil das Filetstück großen Käufern mehr wert gewesen sei als ein produzierendes Unternehmen, blieb nach der Schließung 15 Jahre unberührt. Der Stadtrat beschloß 1995 einen ersten Vorhaben- und Erschließungsplan. Doch die Fabrikhallen verfielen, die Produktionsgebäude wurden von Gras überwuchert. Jetzt erst rollten die Bagger an, um aus der Ruinenfläche einen Vorzeigepark für die Internationale Bauausstellung 2010 zu machen.
1 Kommentar:
Sehr interessant! Bei euch erfährt man was über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von Halle. Habe mich schon länger gefragt, was auf dem Gelände passieren soll. Das kommt wohl davon wenn man keine Tageszeitungen liest; aber zum Glück gibt's ja diesen Blog... :-)
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